Hans Gartmeier
Ohne Seitenblick zu den Strömungen seiner Zeit schlägt Hans Gartmeier schon als junger Maler einen eigenen Weg ein. Ausgehend von seiner gründlichen Ausbildung in Basel und Düsseldorf orientiert er sich konsequent an den alten Meistern und wird zum bodenständigen Heimatmaler des Emmentals. Bei aller Liebe zum Detail ist er kein Realist, seine Landschaften und die bäuerlichen Szenen schildern ein idealisiertes, romantisches Emmental: Als längst schon Traktoren und Landmaschinen Einzug gehalten haben, pflügen und schleppen auf seinen Bildern noch immer Rossgespanne, die Silos und die Hochspannungsmasten lässt er einfach weg. Mit dem bärtigen, Pfeife schmauchenden Grosätti schafft er eine ikonische Emmentaler-Figur, er variiert sie unzählige Male. Wenn wir heute auf Gartmeiers Werk zurückschauen, staunen wir über sein Können, über seine stupende Zeichnungskunst, welche die Grundlage seines ganzen Schaffens bildet.
Hans Gartmeier kommt 1910 in Langnau zur Welt, er ist vier Jahre alt, als seine Familie nach Konolfingen umzieht, wo der Vater eine Schreinerei betreibt. Schon für den Knaben scheint das Ziel, Maler zu werden, festzustehen. Eine Lehre im väterlichen Betrieb kommt für ihn nicht infrage, verschiedene Anläufe in „seriösen“ Berufen bricht er ab, bis sein Zeichenlehrer am Technikum Burgdorf den Eltern rät, den begabten Burschen nach Basel in die Kunstgewerbeschule zu schicken. 1930 installiert sich der Zwanzigjährige als Maler in seinem Elternhaus in Konolfingen. Erste Verkäufe und Porträt-Aufträge – unter anderen des jungen Friedrich Dürrenmatt – ermutigen ihn, doch spürt er, dass er das Erworbene noch vertiefen muss. Ein Stipendium ermöglicht ihm einen Aufenthalt an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er sich in den klassischen Disziplinen des figürlichen Zeichnens, der Anatomie und des Aktstudiums weiter voranbringt. Nach anderthalb Jahren kehrt er zurück nach Konolfingen. Nach dieser zweiten Rückkehr findet er in weiten Kreisen Anerkennung als Kunstmaler, Ausstellungen und Aufträge von Verlagen ermöglichen ihm eine bescheidene Existenz. Auf dem Chuderhüsi begegnet er seiner zukünftigen Ehefrau Rosa Lehmann, 1939 halten sie Hochzeit. Es folgen Stationen auf dem Kaltacker bei Heimiswil und in Bern, wo sich der junge Maler in den Jahren des Weltkriegs, bei nun ausbleibender Nachfrage nach Kunstwerken, als Grafiker in der Werbung betätigen muss. Im Aktivdienst erwirkt Gartmeier zusammen mit den Berner Malern Traffelet und Morgenthaler die Möglichkeit, ihre künstlerische Arbeit fortzusetzen, indem sie internierte französische, marokkanische und polnische Soldaten porträtieren. Eine Ausstellung in Bern rückt Gartmeier ins Rampenlicht, seine bodenständigen Motive und die traditionelle Darstellungsweise erschliessen ihm ein wachsendes Publikum. Inzwischen ist aus dem Paar mit den beiden Söhnen Hansruedi und Konrad eine Familie geworden. Etliche Verkäufe erlauben Gartmeier 1942 in Meienried, hoch über Bowil, ein eigenes Heim bauen zu lassen. Mit der Geburt von Annemarie und Peter ist die Malerfamilie schliesslich komplett. Hier, mit weitem Ausblick über die emmentalische Hügelwelt, entsteht in mehr als 40 Jahren Gartmeiers umfangreiches Lebenswerk. Öffentliche Aufträge, wie das Wandgemälde im Langnauer Ilfis-Schulhaus, und verschiedene Drucktechniken wie Radierung und Lithografie erweitern sein Schaffen, stets aber sind es die heimatlichen Motive, die den Künstler und gleichermassen sein Publikum ansprechen.
Tochter Annemarie erinnert sich, wie das Künstlerhaus mit dem kecken Ateliertürmchen inmitten des Bauernlandes nicht durchwegs mit Wohlwollen betrachtet wurde. Unter «wärche» verstand man hier etwas anderes, und die gelegentlichen Besuche seiner Aktmodelle passten nicht in das evangelikal geprägte Milieu der Umgebung. Visiten von weither machten das Haus zu einer kulturellen Insel, so fand auch der betagte Friedrich Dürrenmatt, der wie Gartmeier die Jugendjahre in Konolfingen verbracht hatte, den Weg auf das Meienried, wo er eine Widmung hinterliess, die Hans Gartmeier als eine besondere Ehrung aufbewahrte: «Meinem lieben Lehrer Hans Gartmeier, dem ich die ersten Eindrücke verdanke, was Malen und Schreiben bedeutet – Friedrich Dürrenmatt – (Profi-Schriftsteller und Amateur-Maler).













